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Misere der Musikindustrie

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Neuigkeiten

  • Best of L.S.G. seit Anfang März erhältlich
  • Techno Classix Sampler Rave Now! 1 bis 5 erstanden
  • endlich den raren Remix von Choci's & the freedom of sound "return to trancition" auf CD ersteigert

ACHTUNG: VERALTET !!!

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Das Dilemma der Nimmersatte und Produzenten des Fastfoods

Dies hier wird etwas länger zu lesen sein, lohnt sich jedoch, wenn man sich für die Thematik Musikindustrie interessiert und ferner wissen möchte, warum auf CDs - obwohl normalisiert - Titel unterschiedlich laut sind. Meine Ausführungen sind rein subjektiver Natur und den Technikteil habe ich versucht möglichst leicht verständlich zu gestalten. Kritik und Anregungen, sowie Diskussion im Forum, sind erwünscht.

Sichtweise der Major Labels

meine Sichtweise

der Technikteil

mein Fazit

Anmerkungen zur Messung der Lautstärke und Quellen

Sichtweise der Major Labels

Ausgehend von einem Artikel aus der Tageszeitung "Die Welt" [1] möchte ich die Krise aus Sicht der Musikindustrie kurz und in Stichworten skizzieren:

  • Seit 5 Jahren werden die Umsätze massiv vermindert
  • Für 2003 wird ein Umsatzverlust von 20% prognostiziert
  • Bei den Majors wurden 30 bis 40% des Personals abgebaut
  • Künstlerverträge bei den Majors wurden um 70% reduziert
  • Independent Labels freuen sich über den Zulauf neuer Künstler
  • Radiostationen spielen fast nur noch Charthits
  • In Frankreich sind CDs z.B. teuerer als in Deutschland, trotzdem steigen die Umsätze. Neben der Radioquote für französische Produktionen wird hierfür vor allem eine wesentlich höhere Wertigkeit für Musik als bei uns verantwortlich gemacht

Schauen wir beim Bundsverband der Phonographischen Industrie vorbei, sind die Schuldigen schnell ausgemacht: demnach wurden 2003 325 Mio. Rohlinge mit Musik bespielt und von ca. 7,3 Mio. Menschen 602 Mio. Songs illegal aus dem Internet kopiert [2]. Ferner wird argumentiert, dass Nutzer von Tauschbörsen, weniger Geld für den Erwerb von Neu-CDs ausgeben. Bei Umsätzen von 1,8 Mrd. Euro, entstand durch die Musikkopiererei ein Schaden von 5,8 Mrd. Euro, wobei der Verband einräumt, dass nicht jede Kopie gleich als Kaufverlust zu verzeichnen ist.

Ein weiteres Dilemma scheint die Tatsache zu sein, dass die Radiostationen sich nur noch ausschliesslich auf das Spielen von Chart-Songs beschränken und den Major Labeln daher ein wichtiges Marketing Medium fehlt. Gründe dafür sind nach einem Artikel des oben genannten Verbandes die Finanzierungsquelle der privaten Radiostationen, die den Hörer möglichst lange am Programm halten wollen, damit Werbebotschaften plaziert werden können. Und dies kann am Besten mit Songs geschehen, die möglichst viele Menschen gerne hören:

>>Die Konzentration der Sender auf dieselben Formate in wenigen Varianten ist schon eine dramatische Verengung der Präsentationsbreite für das aktuelle Musikgeschehen. Zusätzlich aber geht damit eine immer stärkere Selektion der innerhalb der Musikfarbe eingesetzten Titel einher. Identität, Wiedererkennungswert, aber auch betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte sind offenbar das Motiv von Sendern, die Breite ihrer Rotation deutlich zurückzufahren. Rainer Cabanis sagt in einem Interview mit der schon erwähnten Zeitschrift MEDIEN BULLETIN (Nr. 12/98): "Als ich beim Südwestfunk war, haben wir eine Rotation von 1,5 Mio. Titeln gehabt. Als ich zu Radio Hamburg ging, haben wir angefangen mit 150.000 Titeln, dann sind wir von 15.000 auf 5.000 gelandet und heute liegen die meisten Sender so rund um 1.000 Titel". In dem gleichen Interview sagt er: "Früher haben wir den Plattenfirmen die Platten warm gespielt. Heute ist es umgekehrt: Wir spielen die Sachen erst dann, wenn sie sich durchgesetzt haben. Weil wir nur ein einziges Ziel vor Augen haben – möglichst viele Hörer zu gewinnen. (...) Einerseits werden neue Titel auf ihre Hörerakzeptanz getestet, andererseits wird geprüft, ob ein aktuelles Lied vielleicht bereits zu oft gespielt worden ist." Und: "Der erste Abschalt-Effekt ist ein falscher Musiktitel."<< [3].

Diese Entwicklung ist sehr schade, denn so findet man auf dem Radio FFN Powerstation Sampler aus dem Jahre 1990 folgende Sätze:

>>radio ffn "powerstation" - dieser Sampler ist keine Aneinanderreihung vergänglicher Tageshits, sondern eine attraktive Kollektion typischer radio ffn Musiktitel. Dabei liessen wir uns nicht von schillernden Namen blenden, sondern griffen auf die zurück, die unsere Hörer immer wieder verlangten: Songs, die oft nur als Import-Platten erhältlich waren, und die teilweise jetzt erstmals in Deutschland veröffentlicht werden. Dies war das erklärte Ziel der radio ffn Musikredaktion: frei vom Diktat der Hitparaden und mit Offenheit für sogenannte Independents eine eigene wiedererkennbare Musikfarbe zu finden. Die auf diesem ersten eigenen radio ffn-Sampler veröffentlichten Titel sind ein fester Bestandteil unseres Programms und ein Ergebnis musikjournalistischer Arbeit in der "powerstation" - wochentags von 19 - 22 Uhr.<<

Ja, das war leider einmal. Heute dudelt der beste rock & pop von gestern, heute und morgen ...

Die Schuldigen für die Krise sind also gefunden. Und wie möchte man sie meistern ? Einerseits wird versucht das Kopieren über Kopierschutzmaßnahmen auf CDs zu beschränken sowie Nutzer von Tauschbörsen erfolgreich auf Schadenersatz zu verklagen. Andererseits wird aktiv auf die Radiostationen zu gegangen und in Form von unabhängigen Maklern versucht, seine Musik zu platzieren [4]. Darüber hinaus werden in den USA bereits von Universal Versuche mit preislich erniedrigten CDs durchgeführt und BMG plant in Deutschland verschiedene Varianten einer CD, die sich preislich unterscheiden und als "Antipiraterie CD" gelten sollen [5]. Des Weiteren werden Online Portale gegründet, worüber der Absatzkanal Internet erschlossen werden soll. Und so langsam geben die Majors, die ca. 70% des Gesamtmarktes ausmachen, zu, dass sie einige wichtige Trends der letzen Jahre verschlafen haben.

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Ich halte dagegen

Für mich ist die Krise der Musikindustrie zum größten Teil selbstverschuldet. Dies möchte ich nun darlegen und noch einen technischen Aspekt mit einbringen, der aufdeckt, dass ein Käufer teilweise aus technischer Sicht ein mangelhaftes Produkt erhält ! Meine Argumentation erfolgt gänzlich aus der Sicht eines enttäuschten Konsumenten, der wieder gerne mehr abwechslungsreiche Programme im Musik TV und Radio, günstigere CDs sowie eine größere Auswahl an Musik CDs in den Läden finden möchte, insbesondere solche, die technisch einwandfrei aufgenommen wurden.

1. Zielgruppenanalyse und Wertigkeit einer CD

Recht häufig habe ich den Eindruck, dass ich als Ü30-jähriger von dem angesprochenen Industriezweig vernachlässigt werde. Im Musik TV laufen fast nur belanglose Sendungen, die mich überhaupt nicht berühren. Und so wundert es auch gar nicht, dass die Musiksender selber ihre Hauptzielgruppe bis Anfang 20 definieren. Wie das Programm der Musiksender, so richten sich auch viele CDs explizit an jüngere Käuferschichten. Welche erwachsene Person wird z.B. schon für eine gecastete Boygroup schwärmen ? Gewiefte Marketingstrategen habe Ende der 80er Jahre das enorme Kaufpotenzial der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen entdeckt und für sich erschlossen. Allerdings ist dieses Potenzial nicht unbegrenzt und konkurriert bei dieser Zielgruppe mit anderen Bereichen. Der Geldbeutel ist eben knapp und da diese Zielgruppe neben der Musikindustrie von vielen Bereichen umworben wird (z.B. Mode, Handys, Spielekonsolen), sind Ausweichmöglichgkeiten, um an das gewünschte Produkt heranzukommen, willkommen. Wer sich die Original CDs nicht leisten kann, brennt sie sich eben oder lädt sich die Songs aus dem Netz heraus. Ich will darauf hinaus, dass die von der Musikindustrie hauptsächlich anvisierte Zielgruppe nur ein begrenztes Kaufpotenzial besitzt und Ausweichmaßnahmen von vornherein einkalkuliert werden müssen.

Ein weiterer Faktor ist die Wertigkeit einer CD. Für die Aufschlüsselung des Kaufpreises schaue man bei Savemusic nach [6]. Danch kostet die Herstellung einer CD lediglich einen Euro so frage ich mich, warum die CDs lieblos in iher Verpackung gestaltet, häufig noch nicht einmal Texte vorhanden sind und das Booklet kaum aus mehr als 2 Seiten besteht ??? Der Hauptbestandteil der Wertigkeit ist die Musik an sich, allerdings weisen viele Gruppen in der heutigen Musiklandschaft keine Eigenständigkeit mehr auf. Hat eine Gruppe oder ein Act Erfolg, wird der Stil massenhaft kopiert und damit der Musikmarkt überschwemmt. So wird der Sound schnell langweilig. Mit anderen Worten: die Musik ist schnelllebig, ein Produkt, das schnell ins Ohr geht, aber dort über eine Saison hinaus kaum bleiben wird. Es verkommt zur Massenware, die der Kunde auch noch teuer bezahlt ! Womit ich wieder beim Thema bin, denn Musik, die keine hohen Wert besitzt, wird gebrannt und aus dem Netz gezogen.

Für den Aufbau von Künstlern besteht in diesem schnelllebigen Markt kein Geld zur Verfügung. Erst kürzlich habe ich in einem Interview mit Tony Banks - Keyborder von Genesis seit der ersten Stunde an - gelesen, dass sie erst ab dem 6. Album ihrer Plattenfirma Geld einbrachten. Und das wohlgemerkt in den 70er Jahren. Ich spekuliere: was wäre die Musiklandschaft ohne Genesis und den daraus hervorgegangene Einzelkünstlern wie Peter Gabriel, Phil Collins, Tony Banks und Michael Rutherford geworden ?

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2. Risiko und das Formen von Produkten über Marketingmaßnahmen

Es darf keineswegs verschwiegen werden, dass die Produktion von Musik mit einem hohen Risiko behaftet ist. So entstehen einerseits hohe Kosten für Herstellung, Vertrieb und Promotion, andererseits steht es in den Sternen, wieviel letztendlich verkauft wird. Daher ist die Musikindustrie wie fast jede Industrie daran interessiert zu erfahren, was der Konsument denn wünscht, um es ihm zu servieren. Im Marketing-Fachjargon nennt man so etwas Pull-Markt (ziehen), da die Nachfrage vom Konsumenten ausgeht. Kann man die Nachfrage ungefär einschätzen, können sehr viel besser die Kosten kalkuliert werden. Die Meinungen und Geschmäcker zu treffen ist nach wie vor äußerst schwer und so bedient sich die große Musikmaschinerie anderen Maßnahmen: Sie schaut, was denn so ankommen könnte und pusht ihre Favoriten mit immenser Marketingunterstützung. Somit finden wir keinen Pull-, sondern einen Push-Markt vor (hineindrücken). Da trifft es sich gut, dass die Zielgruppe häufig noch keine gefestigten Musikgeschmack besitzt, sie auf jeden Fall noch beeinflussbar ist ! Jene Acts, die einen reißenden Absatz garantieren, erhalten super bezahlte Verträge (Robbie Williams z.B.) und die anderen werden zu solchen gemacht bzw. werden Künstler über Knebelverträge im Verdienst niedrig gehalten [7]. Schnell ne Gruppe zusammen casten und ihnen für die ersten Jahre keine tollen Verträge unter die Nase reiben ... dazu ordentlich die Werbetrommel rühren und mit geballter Kraft des gesamten Medienkonzerns den Act in den Markt drücken. Auch diese rosigen Zeiten sind vorbei, weil die TV Sender nicht einsehen, warum sie den Major Labels etwas vom Kuchen abgeben sollen und machen die Verträge mit den gecasteten Acts gleich selber.

Insgesamt zeigt sich, dass die musikalische Vielfalt drastisch eingeschränkt ist/wird. Radiosender spielen häufig nur noch das, was Ihnen von den Majors über Mittelsmänner vorgesetzt wird und verdienen daran teilweise nicht schlecht. Nur: den besten Rock & Pop von gestern und heute (=Mainstream/Charts) wollen viele nicht mehr hören. Musik TV Sender schränken die Videovielfalt ein, weil sie nun für Videos, die man vorher fast kostenlos senden konnte, bezahlen müssen und generell Produktionen in der Breite für die Majors zu teuer geworden sind. Da haben wir wieder das Argument mit dem Risiko. Und anstelle schöner Videos werden wir stattdessen mit Quizschows und banalem Teeni Geblubber beschallt ... Dabei geht es auch anders: die ehemalige Viva Sendung "Housefrau", wo einfach Club Platten zu abgedrehten Bildern liefen. DJs stellten hier das Neueste vor. Oder 2 Stunden reinste Independet Musik auf MTV. Der Name der Sendung ist mir leider entfallen. Warum geht so etwas heute nicht mehr ?

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3. Aus der Sicht eines Konsumenten

16 oder 17 € durchschnittlich für eine einzelne CD sind aus meiner Sicht einfach zu teuer. Auch die spröde Angebots- und Nachfragetheorie der Betriebswirtschaftslehre zeigt, dass wenn mit dem Preis herunter gegangen wird, mehr abgesetzt werden kann. Fraglich ist es, inwieweit dies vom Markt angenommen würde und ob es die Major Labels überhaupt können, weil ihre Kostenstruktur vielleicht zu hoch ist.

Ein weiterer Aspekt betrifft den Vertrieb. Ein Kunde möchte ausgiebig in eine CD hineinhören können, um die Kaufentscheidung zu treffen. Geräte, die einem 30sec aus einem Stück kredenzen, sind da wenig hilfreich, genauso wenig wie Maßnahmen an CD Spielern, so dass nicht vor- und zurückgespult werden kann. Schick sind natürlich solche Geschäfte, wo ganz ausgiebig gehört werden kann. Nur leider begibt es sich dort, dass die Auswahl sehr zu wünschen übrig lässt und bestellte CDs meist gekauft werden müssen.

Insgesamt werden dem Konsumenten, viele Steine in den Weg gelegt, die ihm den Spass am Kauf einer CD vermiesen. Kein Wunder also, wenn er versucht diese zu umgehen ... und sich das von der Industrie ihm angepriesen Objekt der Begierde anders beschafft.

Des Weiteren hat die CD mit der DVD auch ein Konkurrenzprodukt bekommen. Wird über den Umsatzrückgang bei CDs geweint, sollten im gleichen Zuge die Umsatzgewinne aus dem DVD Geschäft gegen gerechnet werden. Medienkonzerne bestehen i.d.R. nicht nur aus einer Musiksparte, sondern aus vielen weiteren Bereichen. Kurios ist doch innerhalb eines Konzerns wie Sony das Brennen zu verteufeln und Brenner mit einer Strafsteuer belegen zu wollen, aber gleichzeitig solche Geräte des Teufels nebst Rohlingen selber herzustellen und zu vertreiben. Gerade hier machen sich die Medienkonzerne lächerlich.

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4. Möglicher Ausweg, meine eigene subjektive Sichtweise

Das Bisherige auf den Punkt gebracht: die Musikindustrie verhält sich wie eine Katze, die sich andauernd in ihren Schwanz beisst. Die großen Medienkonzerne haben einen günstigen Vertriebsweg, das Internet, vollkommen verschlafen und dann zudem als rechtsfreien Raum für Musikpiraten abgestempelt. Dabei verstehe ich nicht, warum es nicht möglich ist, alle Songs kostenlos als Download in minderer Qualität zur Verfügung zu stellen ? Zu Hause könnte so ausgiebig gehört werden und bei Gefallen wird ein Kauf getätigt. So halte ich es zumindest, denn wenn mir Musik gefällt, soll der Künstler dafür auch seinen Obulus erhalten ! Aber was wird stattdessen von den Majors gemacht ? Sie versuchen alles, um die Märkte weiterhin zu kontrollieren (Push Strategie) und belegen die CDs mit einem Kopierschutz, so dass CDs in vielen Geräten nicht mehr abspielbar sind. Ferner sind alle "Sauger" kriminell, egal ob sie nur einmal reinhören wollten, weil sie dazu sonst keine Chance hätten oder sich im kindlichen Alter befinden. Mutet irgendwie paradox an, wenn Produkte sich an Personen richten und bei ihnen die Nachfrage massiv stimuliert wird, aber dieser Personenkreis nicht die Kohle besitzt, um sich alles kaufen zu können. Jaja, Katze und Schwanz sag ich nur ... Und gerade die Independent Labels machen es anders herum, denn sie sehen das Netz un die Tauschbörsen als eine sehr billige Werbetrommel, weil sich "gute Musik" immer verkaufen lässt.

Für mich sieht das nach einem verängstigten Saurier aus, der wild um sich schlägt. Er sollte in diesem Zustand wahrnehmen, dass er zunehmend mehr Kunden verliert und er dies zum Großteil weiterhin selbst verschuldet, denn wer meint, Märkte uneingeschränkt beeinflussen zu wollen, muss damit leben, wenn genau dies schief geht ! Man sieht keine Musik mehr in den Verkaufsflächen ausliegen, sondern lieblose Produkte, die reinste Massenware sind. Man hat den Eindruck, bei den Majors sitzen mehr Marketingstrategen in schnieken Nadelstreifenanzügen als Musikliebhaber, denen es in erster Linier um das vielfältige Angebot guter Musik geht. Dass es auch anders geht, zeigen die vielen kleinen Independent Labels, die pfiffiger auf den Markt agieren. Ferner besagt eine unabhängige Studie eines Harvard Professors über das Verhalten von Tauschbörsen Usern, dass dies keineswegs zu Umsatzeinbussen führt, sondern das Gegenteil eintritt. Leider ist mir der Link abhanden gekommen ...

(nur der Vollständigkeit halber: ich glaube kaum, dass sich der Onlinevertrieb von Musik für z.B. 99 Cent pro Song durchsetzten wird. Nicht nur dass die Qualität nicht einer CD gleicht, rechnet man Strom-, Rohling- und Internetkosten dagegen und bezieht ein fehlendes Booklet mit in die Berechnung ein, ist dies ein teurer Spass, der in keinem Verhältnis zum "normalen" Kauf einer CD steht).

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5. Das Unterjubeln von Klanglich miserablen CDs

Ein Aspekt liegt mir besonders am Herzen, der bei obigem Thema immer mitschwingt, jedoch evtl. nicht ganz einfach nachzuvollziehen ist. Und dieser betrifft die Klangqualität einer CD und ferner ihrer Abspielgeräte. Ich werde mich versuchen möglichst verständlich auszudrücken, auch wenn ich um einige technische Feinheiten nicht herumkommen werde. Erst kürzlich ist mir dieser link in die Hände gefallen, der die folgende Problematik genauer ausleuchtet als ich es hier tun werde. Vielmehr möchte ich hier in deutsch und hoffentlich halbwegs verständlich diese Problematik und mein Anliegen schildern:

Unser Ohr ist ein sehr sensibles Organ und nimmt laute Musik gegenüber leiser als angenehmer wahr. Mit dieser Erkenntnis wundert es nicht, dass dies von der Musikindustrie ausgenutzt wird. Musik wird heute teilweise sehr viel über technisch minderwertige Musikanlagen und Lautsprecher gehört. Musikalische Feinheiten fallen dann mehr oder weniger nicht ins Gewicht und da ein Song im Monoküchenradio wie auch im Videoclip flashen soll, versucht man ihn möglichst "laut" zu produzieren, denn: lautere Musik wird bekanntlich als angenehmer (=auch besser) wahrgenommen.

Mir als Kind der 80er Jahre wurde die CD gegenüber der Platte mit der verbesserten Klangqualität schmackhaft gemacht - vor allem für Klassische Musik eigne sie sich besonders ... Warum ? Eine CD weist gegenüber einer Platte eine höhere Dynamik auf. Eine CD hat als Höchstwert 96 db (=Dezibel, Einheit für Laustärke, nähere Erläuterung am Ende der Seite) und eine Platte rangiert von der technisch möglichen Dynamik bei ungefähr 50 bis 60 db. Dynamik kann verschieden interpretiert werden. In der Musik bedeutet sie allgemein keine statische Spielweise von Instrumenten. Z.B. Noten betonen, mal lauter, mal leiser ein Instrument spielen, Pausen einlegen usw. . Technisch gesehen wird darunter die Spanne zwischen der leisesten Stelle (z.B. Null) und der lautesten verstanden (z.B. 96 db bei einer CD). So steht bei einer CD für Musik, die eine hohe Dynamik aufweist (Klassik !), technisch gesehen mehr Ausdrucksmöglichkeit bei der Aufnahme und deren Abspielen zur Verfügung als bei der Platte. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies technische Werte sind, die in der Praxis kaum ausgereizt werden, denn so müssen sehr leise Passagen z.B. mit der Umgebungslautstärke konkurrieren, weswegen die Dynamik eingeschränkt wird: Würde man die Lautstärke am Abspielgerät bei einer Aufnahme mit maximaler Dynamik so laut aufdrehen bis die leisen Passagen die Umgebungslautstärke übertrumpfen, würden einem die lauten mit Sicherheit dann die Nachbarn an die Tür holen.

So, nun mischen wir unser Gehör mit dem Segen der Digitaltechnik und dem Marketing der Major Labels ... Bingo ! Die Möglichkeiten einer CD bzgl. ihrer Dynamik wird bewusst eingeschränkt, damit sie möglichst laut und "besser" im Vergleich zu weniger in ihrer Dynamik eingeschränkten CDs klingt. Das geht teilweise soweit, dass dadurch massiv die Klanqualität von Songs leidet, was für mich als Besitzer von besserem HiFi Equipment ein weiteres Argument gegen einen Kauf ist. Kennzeichen: der Klang scheppert oder ist verzerrt, wenn solche CDs lauter abgespielt werden und wer ein Level Meter sein Eigen nennt, sieht meist eine "stehende" Anzeige. Fatal ist, dass gerade jüngere Generationen mit einem solchen Sound aufgewachsen sind und CDs, deren Dynamik intakt ist, nicht mehr kennen.

Nun geht's ins Eingemachte: wer wollte sich nicht schon einmal einen Sampler zusammen stellen und hat sich darüber geärgert, dass die Lautstärken einzelner Songs sehr unterschiedlich sind ? Das liegt einerseits an der Aufnahme selber, andererseits an - ich nenne es - inneren Lautsärke eines Songs. Ersteres kann i.d.R. durch sogenanntes "normalisieren" beseitigt werden, denn einige Aufnahmen sind nicht bis zum maximal möglichen ausgesteuert. Dies ist häufig bei älteren CDs der Fall, die keinem remastering unterzogen wurden.

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5.1 Normalisierung

Normalisieren bedeutet nichts anderes, als dass die lauteste Stelle (=Peak) eines Songs gemessen wird. Und der Song wird dann insgesamt um die Differenz vom Peak bis zur maximalen Lautstärke (Angabe meist als 0 db) hochgerechnet. Bsp.: Peak liegt bei -2 db. Normalisieren auf die maximale Lautstärke (0 db) bringt einen Lautstärkegewinn von 2 db ! In der Betrachtung einzelner Songs und insbesondere bei Samplern kann dies ein probates Mitte des Lautstärkeangleichssein, allerdings macht man sich bei Alben damit die Lautstärkeverhältnisse der einzelnen Songs untereinander kaputt, so dass evtl. die Atmosphäre eines Albums dadurch verloren geht.

5.2 Limiter und Kompressoren

Eigentlich müssten ja auf das Maximum normalisierte Songs gleich laut sein - sind sie aber nicht. Und das liegt an der inneren Lautstärke. Und hier kommt wieder unser Gehör und die Dynamik ins Spiel. So wird über Kompressoren und Limiter die Dynamik bewusst vermindert, sodass unser Gehör solche Songs subjektiv als lauter und damit besser wahrnimmt. Unser Gehör orientiert sich an der durchschnittlichen Lautstärke und nicht an einzelnen Pegelspitzen (Peaks). Daher wird versucht die Durchschnittslautstärke möglichst hoch zu wählen. In Anlehung an die Seite "loudnessrace" wird eine Durchschnittslautstärke (RMS) von -12 db als akzeptabel angesehen, ich selber besitze CDs (z.B. Morrissey - You Are The Quarry [2004]), die für einen längeren Zeitraum bis -3.5 db hoch gehen, demnach aus meiner Sicht murks sind. Ich werde das gleich an ein paar visuellen Beispielen verdeutlichen, vorher möchte ich jedoch die wirkungsweise beider Geräte in den Grundzügen erklären:

Ein Kompressor schränkt die Dynamik ein, indem laute Stellen heruntergepegelt werden. Die leisen Passagen bleiben dabei gleichzeitig vollkommen unebrührt. Somit verändert sich das Verhältnis bzw. der Abstand von leisen zu lauten Stellen, es nimmt ab. Wird die lauteste Stelle z.B. um 3 db abgesenkt, wurde auch der Abstand von leisen zu lauten Stellen um 3 db verringert. Nun wird der Song wieder um den herabgesenkten Betrag insgesamt angehoben. Die lauten Stellen sind nach wie vor um 3 db gesenkt, die leisen haben sich durch die Anhebung des Pegels nun um 3 db erhöht. Wem diese einfache Erklärung des Kompressorprinzips nicht ausreicht, kann hier mehr darüber nachlesen. Ergebnis ist die Verringerung der Dynamik und eine subjektiv angenehmere Wahrnehmung des Liedes sowie eine höhere Durchschnittslautstärke. Der Einsatz von Kompressoren ist allerdings keineswegs zu verteufeln, denn in Maßen eingesetzt, sind sie ein gestalterisches Mittel in der Musik. Ihr Einsatz sollte daher nicht überzogen werden.

Das Prinzip von Limitern ist einfacher als das von Kompressoren zu verstehen. Ab einer beliebig festgelegten Grenze wird das Audiomaterial einfach abgeschnitten. Sagen wir, um im Bsp. zu bleiben, dass wir bei -3 db die Spitzen abschnibbeln. Es fehlt nun Audiomaterial und der Song ist um 3 db leiser gemacht worden. Jetzt wird er wieder im 3 db angehoben, mit dem Ergebnis, dass der gesamte Song um 3 db lauter geworden ist. Die Dynamik wird auch hier eingeschränkt, da es nun weniger leise und viel mehr laute Passagen gibt (die Durchschnittslautstärke wurde um 3 db erhöht). Ein weiteres Ergebnis - und hier sind wir wieder bei Thema - ist eine subjektiv erlebte größere Lautstärke, die sich auf billigen Abspielanlagen hervorragend macht, ohne dass die Lautstärke am Abspielgerät erhöht werden musste. Des Weiteren fehlt Audiomaterial, das zu Gunsten einer möglichst hohen Durchschnittslautstärke resp. niedrigen Dynamik, bewusst geopfert wurde.

Beide Methoden lassen sich miteinander kombinieren und in ihrer vollkommen überzogenen Anwendung, werden möglichst laut klingende CDs hervorgebracht. Jedoch dies auf Kosten der Dynamik der Songs. Der Käufer erhält teilweise eine CD, die klanglichen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird. Ferner kann Lautstärke auch ganz simpel erzeugt werden, man müsste nur am Drehregler seines Abspielgerätes etwas verändern. Aber in Zeiten von MP3, Küchenradios und Billig-Anlagen, wäre das eine Zumutung ... Ich möchte allerdings nicht verheimlichen, dass laute CDs durchaus in einigen Bereichen ihren Sinn machen. So besitzen z.B. MP3/CD Player und kleinere Radios keine große Verstärkereinheit. Laut aufgenommene Songs klingen hier deshalb besser. Es würde daher Sinn machen, Songs für die verschiedenen Einsatzgebiete unterschiedlich abzumischen. Also möglichst laute für Videoclips (--> Fernsehlautsprecher), MP3 Player und welche mit goßer Dynamik für die Anlage zu Hause und natürlich für mein Wohlbefinden.

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Zuerst möchte ich etwas polarisieren, indem ich zwei unterschiedliche Songs miteinander vergleiche. Der erste stammt von Joe Jackson aus den 80er Jahren namens "You Can't Get What You Want", kann unter Pop & Jazz eingeordnet werden, und der zweite ist "Diesel Power" von The Prodigy aus 1997, das Genre ist purer Big Beat/Dancefloor. Ersteren habe ich ausgesucht, weil er nach Bob Katz [8] auf dem gleichen durchschnittlichen Lautstärkelevel liegt, wie der Standard für Filmvertonung im THX System und daher sehr viel Dynamik besitzt und zudem ehrt er zufällig meine CD Sammlung.. Über das gesamte Album von Joe Jackson titelt Bob Katz:

>>Body and Soul - Joe Jackson
Mastered by Bernie Grundman. Engineered by Rik Pekkonen. The slightly harsh high end reflects synthesizers and A/Ds of the period, but the sound is open and marvelous. It’s moderately compressed at the top for effect, with great dynamic range. A&M Records, CD-3286, ©1984.<<
[8]

Die RMS liegt insgesamt bei -19,91, was obige Aussage über die Dynamik unterstreicht. Wenn man auf die Grafik klickt und sich die Vergößerung anschaut, sieht man, wie stark am Anfang der Grafik die Bassdrum ausschlägt und im Vergleich dazu die darauf folgenden Sounds bis zum nächsten Schlag niedrig sind. Der Klang ist transparent und "luftig", die Bassdrum "kickt" und die Bläsergruppen akzentuieren. In der Tat: ein wunderbares Klangerlebnis.

Generell bedeutet in der Grafik ein höherer Ausschlag zugleich eine größere Lautstärke. Dies sind meistens vor allem perkussive Klänge, z.B. eine Bassdrum, die am Anfang sehr laut sind und danach ausklingen.

Ganz anders verhält es sich bei Diesel Power von The Prodigy. Die Analyse der RMS ergibt -8,65 und stellt damit die traurige Bestmarke in meiner CD Sammlung dar. Der Klang ist gequetscht und drehe ich meine Anlage in ihrer Lautstärke etwas auf, höre ich nur noch Verzerrtes. So sollte es natürlich nicht sein ! In der Vergößerung der Grafik erkennt man dies an den abgeschnittenen Spitzen der Ausschläge (massives limiting) und dem sehr geringen Verhältnis von leisen zu lauten Stellen. Dies kann in der Grafik daran abgelesen werden, dass es wenig prägnante Ausschläge gibt und stattdessen ein Großteil des Klangmaterials sich auf gleichem Lautstärkelevel bewegt.

Ich würde an diesem Punkt gerne Soundbeispiele anbieten, muss aber leider wegen des Urheberrechts darauf verzichten. Und natürlich kann man einen Pop/Jazz Song nicht mit einem aus dem Bereich BigBeat vergleichen, weil letzteres"bangen" soll und ersteres gut klingen. Just in diesem Dilemma erreichte mich heute morgen (13.08.2004) während des morgendlichen Frühstücks ein Geistesblitz: In meiner CD Sammlung befindet sich der Namensgeber dieser Homepage in verschiedenen Versionen und auf einem Ibiza Sampler klingt mein Hypnotic Harmony mehr als nur grausam - also fluchs eine vergleichende Analyse gestartet und siehe da !

Diese Grafik ist ein Ausschnitt aus Progressive Attack's Hypnotic Harmony Part II von 1993. Meines Wissens nach so nur auf CD in der vergriffenen Harthouse Box 1 - 4 von 1998 zu finden. Der Peak lag bei -1,9 db, weswegen ich den Song erst einmal auf 0 db normalisierte. Die globale Analyse ergab danach eine RMS von -14,13 db und somit entspricht die Aufnahme ungefähr dem Zeitgeist von 1993:

Die Bassdrum "kickt" ordentlich, der orgealartige Bass spielt luftig und insgesamt besitzt die Aufnahme eine wunderbare Transparenz und Dynamik. So soll es sein !

Aber was ist hier geschehen ? Die Grafik zeigt die Misere schon: eine überaus schlecht klingende und vollkommen zerstörte Aufnahme, die ich auf einem Ibiza Classix Sampler fand. Liebe Leser, es handelt sich um den gleichen Song. Aber schaut nur mal auf die Pegelspitzen ! Einfach abgesägt und mit was für einer Wucht. Bei dieser Aufnahme handelt es sich um den re-Release von Hypnotic Harmony aus dem Jahr 1999. Die Originalversion besteht aus 2 Teilen, einem ambientmässigen Intro ohne Rhythmussektion und dann dem eigentlichen Techno Song. Im re-Release verschmolz beides und der Techno Teil wurde um eine Minute gekürzt, was sich insgesamt Hypnotic Harmony 99 nennt.

Zum Vergleich habe ich zwei gleiche, prägnante Stellen in den Songs gesucht. Die vor euch liegenden Grafiken zeigen also den gleichen Ausschnitt der jeweiligen Songversion. Nur, bei diesem liegt die RMS bei -8,00 (natürlich habe ich diese Version um den leiseren Ambientteil bereinigt) und ist somit mein neues, trauriges Schlusslicht im Loudness Race. The Prodigy wurden entthront ! Klanglich ist diese Aufnahme wirklich grausam. Die Bassdrum hat keine Luft und wirkt platt und gequetscht. Der Orgelbass hört sich lieblos und verzerrt an, besonders wenn die Flächen einsetzen. Von Transparenz und Dynamik ist nichts mehr zu spüren. Eines meiner absoluten Lieblingslieder hat auf diesem Sampler sein Leben verwirkt, es klingt blass und leblos, auf diesem Sampler so ein langweiliges und totes Lied. Eingehender kann wirklich nicht aufgezeigt werden, was das Loudness Race aus einem der schönsten Techno Songs machen kann ...

... oder das Dilemma eines Samplers, denn hier sollen möglichst alle Songs auf einem gleichen Lautstärkelevel liegen. Und ist ein Song besonders laut, sind die anderen anzupassen. Tip für eigene Sampler: leisere Songs an den Anfang stellen und lautere ans Ende. Denn so gewöhnt sich unser Gehör nicht erst an eine bestimmte Lautstärke und runter regeln kann man sie bei lauteren Songs immer noch. Man schränkt sich hier natürlich in der Abfolge der Songs ein, aber glaubt mir, so lassen sich Sampler wesentlich entspannter geniessen.

 

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Dieses Beispiel eignet sich hervorragend, um mein Anliegen zu verdeutlichen, denn beide Songs haben einen Lautheitsunterschied von ca. 6db. Hypnotic Harmony 99 ist somit doppelt so laut wie die 93er Version. Beide CDs in meine beiden DJ CD Decks reingeworfen, das eine um 6db per Gain Regler geboostet und ein feiner A/B Vergleich lässt sich vollziehen. Nun kann ich jedem, der mich besucht und mich wegen meines Anliegens für durchgeknallt hält, ohne grosse Erklärungen über einfaches hören auf meine Seite bringen und mich rehabilitieren, sollte er mich für durchgeknallt gehalten haben.

Ich möchte nun das Loudness Race an Hand eigener Soundbeispiele verdeutlichen, sodass meine Argumentation mit eigenen Ohren nachvollzogen werden kann. Dazu können 20 sekündige Beispiele im mp3 Format runtergeladen werden, die jeweils ca. 500 kb umfassen. Ich habe eine hohe Auflösung gewählt, um Klangverzerrungen wegen der Konvertierung zu vermeiden. Als Limiter dient der Voxengo Elephant Version 2.1, dem ein neutraler Sound nachgesagt wird und der als Demo Version erhältlich ist, sodass meine Experimente nachgeprüft werden können. Einstellung für das Limiting war das Preset "EL Two" mit "limiting speed = fast". Mein Ausgangsbeispiel stammt aus der eigenen Kreation und sollte als nichts anderes als "ein Beispiel" angesehen werden. Es wurde direkt ohne große Komprimierung aufgenommen und auf 0 db normalisiert. Anschliessend habe ich den "Input Gain" im Limiter jeweils in 3 db Schritten bis auf +18 db erhöht. Wie sehr der Klang leidet, kann an den Soundbeispielen nachvollzogen werden. Um meine Argumenation verfolgen zu können, dürfte es am Einfachsten sein, wenn die Beispiele direkt auf den eigenen PC runter geladen werden (rechte Maustaste auf dem Link benutzen !), sodass sie ausgiebig miteinander verglichen werden können.

Die Grafik zeigt das Grundbeispiel unbearbeitet: die RMS liegt bei -16,13 und kennzeichnend ist, dass die Ausschläge der Bassdrum sehr stark sind, während das restliche Soundmaterial eher leise ist.

Soundbeispiel Grundbeispiel hier

Prägnant ist bei nach ca. 17 sek die Stelle wo zum Schluss der Orgelbass auf der eins einsetzt. In der Grafik ist das der zweite Ausschlag von links, denn sie zeigt insgeamt neun Schläge (Viertelnoten). Wegen der Bassdrum und des tiefen Orgelbasses wird er betont. Insgesamt kann diese Aufnahme wegen ihrer hohen Dynamik (relativ niedrige RMS) mit einer aus den 80er Jahren vergleichen werden.

Schon beim Limiting mit 3 db Input Gain (=Erhöhung der Lautstärke um 3db), wird an Hand der Grafik die Einschränkung der Dynamik ersichtlich: schaue ich auf die Ausschläge nach oben und unten, sind diese schon fast alle gleich hoch, während sie im Ausgangsbeispiel unterschiedlich sind. Dies zeigt ferner die Messung der RMS, die bei -13,38 liegt.

Soundbeispiel +3db limiting hier

Außer dass es etwas lauter klingt, scheint kaum etwas passiert zu sein. Richten wir wieder unser Augenmerk auf den zweiten Ausslag von links in der Grafik, der wiederum bei ca. 17 sek. liegt, nun ist er weniger stark akzentuiert, was deutlich hörbar ist. Nicht weiter schlimm, allerdings bereits eine Auswirkung des Limitings.

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Führen wird ein Limiting mit + 6db Input Gain durch, ergeben sich erste wirklich signifikante Unterschiede. Das Soundbeispiel ist merklich lauter, was ebenfalls die Grafik verdeutlicht, denn das Verhältnis zwischen den Ausschlägen und dem Rest wurde stark verringert. Die Analyse der RMS unterstreicht dies, denn sie liegt nun bei -11,56 und damit in einer Größenordnung die ich gerade noch als tolerierbar ansehe. Einige Leser werden sich fragen, warum in dem Beispiel die Lautstärke um 6db angehoben wurde und sich dies nicht vollständig auf die RMS ausgewirkt hat, denn eigentlich müsste sie bei -16,13 + 6 db = -10,13 liegen. Tut sie aber nicht ! Ich möchte an dieser Stelle nicht die komplette Arbeitsweise von Limitern erklären, aber es liegt an den Einstellungen im Limiter, die nicht alles statisch um 6db abrasieren. Wer sich dafür weitergehend interessiert, kann sich hier und hier schlau machen.

Soundbeispiel +6db limiting hier

Dieses Beispiel kann mit einer gängigen CD Aufnahme Anfang der 90er Jahre verglichen werden. Bob Katz schreibt z.B. über das Debut Album von Rage Against The Machine:

>>Rage Against the Machine
Mastered by Bob Ludwig. Engineered by Andy Wallace. A heavy metal album that is not squashed, but amazingly loud on an absolute basis. Good dynamics, clean--let’s roll back the clock! How far we have come to have lost this sound quality! Epic, 2k 52959, ©1992.<<
[8]

Nur der Vollständigkeit halber möchte ich auf das Limiting mit plus 9 und 15 db eingehen, da sie keine weiteren für die Untersuchung wichtigen Erkenntnisse liefern.

Soundbeispiel +9db limiting hier (RMS von -9,98)

Soundbeispiel +15db limiting hier (RMS von -7,38)

Wichtiger und unserem Ziel sehr nah, ist das Limiting mit plus 12db, denn das Beispiel besitzt nun eine RMS von -8,50 die der von The Prodigy's Diesel Power sehr nahe kommt. Das Beispiel ist nun hörbar knapp mehr als zwei mal so laut wie das Ausgangsbeispiel und die Grafik zeigt, dass keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Ausschlägen bestehen. Der Dynamikumfang wurde erheblich eingeschränkt.

Soundbeispiel +12db limiting hier

Verglichen mit dem Ausgangsbeispiel klingt es vor allem zum Ende hin verzerrt und gequetscht. Sämtliche Transparenz ist verloren gegangen und es klingt für meine Ohren "langweilig". Insgesamt wurden 7,63 db (16,13 - 8,50 db) an Lautstärke gewonnen und um den Unterschied zu merken, bringe man das Ausgangsbeispiel auf eine vergleichende Lautstärke zum Beispiel mit plus 12db limiting, indem man seinen Verstärker oder auch die Soundkarte um ca. 250% in der Lautstärke erhöht. Ah, nun meine Intention verstanden ? Der klangliche Unterschied sollte jedem ersichtlich sein. Und um meiner Argumentation vollkommen folgen zu können, nehme man das Beispiel mit den plus 6db Limiting und vergleiche es mit dem Ausgangsbeispiel, indem der Verstärker oder der Ausgangspegel der Soundkarte um ca. 100% erhöht wird (hier wurden 4,57 db an Lautsträke gewonnen). Einfacher geht der Vergleich, wenn der Verstärker oder das Abspielproggi des Computers eine Lautstärkeskala in db besitzen, denn dann muss man lediglich den einen Song entweder um 7,6 db absenken bzw. um 7,6 db erhöhen. Selbst bei Zimmerlautstärke sind die Unterschiede hörbar, bei höherer Lautstärke sollten es selbst ungeübte Ohren hören können.

Um zu zeigen, wohin das Loudnessrace führen kann, habe ich ein vollkommen krankes Beispiel generiert, in dem der Input Gain des Limiters um plus 18db erhöht wurde. Die Grafik ist jetzt fast nur ein Rechteck, was grafisch verdeutlicht, weswegen das Beispiel sehr stark verzerrt und gequetscht klingt und eine RMS von -6,84 ist mehr als eindeutig.

Soundbeispiel +18 db limiting hier

Möchte einer von Euch solch eine klingende CD erwerben ? Ich nicht. An dieser Stelle ist wieder der Vergleich "Essen" angebracht. Man denke sich ein schönes, argentinisches Rinderfilet. Ein feines Stück Fleisch. Am Besten schmeckt es, wenn es schön saftig und zart ist, außen cross angebraten und innen saftig-weich. Was passiert, wenn es zu lange und in zu heisser Pfanne liegt ? Es wird zäh, schmeckt fade und lässt sich nur noch mit Mühe in kleine Stücke schneiden. Kurz: es schmeckt nicht mehr, seine Konsistenz wurde durch falsche Zubereitung zerstört. Und anders verhält es sich nicht mit Songs, die eine zu hohe Durchschnittslautstärke (RMS) besitzen, wie ich argumentiere mehr als -12,0 db.

Ich hoffe daher, dass ich Euch nun für diese Thematik sensibilisieren konnte. So aufgenommene CDs können nicht zurück geführt werden, weil einmal im Masteringprozess durch Limiting weg geworfene Audiodaten unwiederbringlich verloren sind. Somit sind solche CDs Schrott und des Mediums CD nicht wert. Meine Beispiele sprechen für sich und das Loudnessrace sollte daher beendet und stattdessen wieder CDs mit einer wunderbaren großen dynamischen Bandbreite produziert werden.

Anmerkung: aufgrund der logarithmischen dezibel (db) Skala, verdoppelt sich die Lautstärke bei allen 6 db. Eine Erhöhung um 6 db wäre doppelt so laut (200%), 12 db 4 mal so laut (400%), 18 db 8 mal so laut (800%) usw. [9]. Das von mir dargebotene Beispiel ist wirklich rudimentär, weil Mastering in Bezug auf das Loudnessrace nicht nur im Limiting besteht. Trotzdem verdeutlicht es prägnant die klanglichen Einbußen.

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6. Fazit

Ich bin weder ein Toningenieur noch ein ausgewiesener Kenner der Musikindustrie. Ich habe hier lediglich meine subjektiven Eindrücke wieder gegeben, die diskussionswürdig sind. Den Technikteil habe ich unter dem Gesichtspunkt der Verständlichkeit stark vereinfacht, für Interessenten stehen am Ende meiner Ausführungen noch ein paar weiterführende Links. Obwohl ich nur Hobbymusiker bin, scheinen meine Ohren doch zu wissen, wie eine "gute" CD unter Aufnahmegesichtspunkten zu klingen hat, denn ich stehe im Vergleich der RMS mit den Werten von LoudnessRace im Einklang, wo eine RMS -12,0 als akzeptabel angesehen wird. Dies sollte gleichzeitig ein Aufruf an Zweifler und Kritiker sein, sich mit der Thematik zu beschäftigen und vor allem intensiv CDs zu hören, insbesondere einen Vergleich von CDs aus den 80ern/Anfang 1990 und welchen ab 1997 ! In meinen allgemeinen Ausführungen zur Musik, habe ich einen Vergleich zu Restaurants und Köchen vollzogen. Um im Beispiel zu bleiben: eine versalzene Suppe dürfte jeder von Euch erkennen und sie im Restaurant zurück gehen lassen. Aber wie sieht es bei CDs aus ? Verloren gegangene Daten = CDs mit hoher Durchschnittslautstärke und geringer Dynamik, sind nicht wiederherstellbar. Und dafür soll man dann 15 bis 17 € pro Einzel Album blechen ?

Insgesamt erblicke ich einen Trend bei den Majors, der mir als Konsument weiterhin keine anspruchsvollen Musikprodukte liefern wird. Es wird eindeutig am Kunden vorbei produziert und dann auch noch gejammert, wenn die Umsätze einbrechen. Das dies auch anders geht, zeigen Märkte wie die USA, wo schon immer mehr Alben als Singles verkauft wurden oder Frankreich.

Ich fische daher seit einigen Jahren in den Nischen und vor allem bei den kleineren Labels herum. Die haben anscheinend die Zeichen der Zeit erkannt und können schneller auf Marktveränderungen reagieren, wobei sie leider ebenfalls dem Trend nach möglichst lauten CDs unterliegen. Da deren CDs im Handel meistens eh kaum in den Auslagen präsent sind, saugt man sich die Tracks und kann sie sich zu Hause in Ruhe anhören. Und dann fällt die Entscheidung ob Kauf oder nicht. Ich finde daran nichts Verwerfliches, auch wenn das gegen EU Urheberecht verstösst. Letztlich möchte ich eine mir genehme CD zu einem Preis erwerben, der mir zusagt. Wie ich ausführlich dargelegt habe, scheuen die Major Label nicht den Kunden genau daran zu hindern. Aus meiner Sicht mehr als nur paradox.

weiterführende Links zur Thematik Limiting/Kompression/dem Wettrennen nach "hot" CDs:

Aufruf zur Eindämmung des LoudnessRace

Artikel des ProRec Magazins

Referenz CDs von Digital Domain

über Kompression, Digtal Domain

über Lautstärke Teil 1, Digtal Domain

über Lautstärke Teil 2, Digtal Domain Insbesondere wird hier die Thematik der übersteuerten CDs angesprochenen.

Anmerkung zu den Links: der Autor der Seiten von Digital Domain, Bob Katz, ist ein ausgesprochener Fachmann. Dort ist viel Fachchinesisch zu finden und auch ich verstehe nicht alles, kann die Grundzüge der Technik und der Argumentationsweise allerdings auf Grund meines Musik-Hobbies nachvollziehen. Falls diesbezüglich Fragen bestehen, darf man mich gerne löchern.

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Anmerkungen zur Messung der Lautstärke

Die Lautstärke wird allgemein in Decibel "dB" gemessen. Allerdings gibt es hier unterschiedliche Normierungen, weswegen die Bezeichung "dB" ungenau ist. Geht es um Lautstärke in Bezug auf unser Gehör, wird von Sound Pressure Level (=Druck auf unser Gehör im Sinne von Klang als umgesetzte Energie) gesprochen, was zur Bezeichnung "dBSPL" führt. In einer digitalen Umgebung spricht man von "dBFS", wobei "FS" für full scale steht. Die Null ist die technische Maximum-Lautstärke, weil darüber digital nicht aufgenommen werden kann bzw. alles was lauter als 0 dBFS ist, abgeschnitten wird. Das Minimum sind in einer 16 bit Umgebung -96 dBFS. Ein 20 bit Digitalsystem hätte einen Dynamikumfang von 120 dBFS und ein 24 bit System von 144 dBFS.

Die Messung der RMS (Durchschnittslautstärke) erfolgte mit dem Programm WaveLab von Steinberg. Die oben von mir ermittelten Werte basieren auf der globalen Anaylse WaveLabs. Leider sagt eine globale RMS in vielen Fällen wenig aus, denn einige Songs haben nur sehr laute Passagen über einige Sekunden, die sich in der gesamten RMS eines Songs deshalb wenig einbringen, aber trotzdem schlecht klingen und die Aufnahme zerstören.

Quellenangabe:

[1]: http://www.welt.de/data/2004/03/06/247254.html (12.08.2004)

[2]: http://www.ifpi.de/jb/2004/musikkopien.pdf (12.08.2004)

[3]: http://www.ifpi.de/html/radio.shtml (12.08.2004)

[4]: Kostenlose Onlineausgabe von Röttgers, Janko: Mix, burn & R.I.P. (2004), Seite 117, http://www.mixburnrip.de/download.php (12.08.2004)

[5]: http://www.savemusic.de/forum/viewtopic.php?t=913 (12.08.2004)

[6]: http://www.savemusic.de/worumgehtes.php (12.08.2004)

[7]: http://www.savemusic.de/worumgehtes.php und auch [4], S. 116 ff. (12.08.2004)

[8]: http://www.digido.com/portal/pmodule_id=11/pmdmode=fullscreen/pageadder_page_id=93/ (12.08.2004)

[9]: http://www.prorec.com/prorec/articles.nsf/articles/3F50D03B51D16EF386256904007DFFC0 (12.08.2004)

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Stand: 17.08.2004 [Ausmerzen einiger Tippfehler - nun bin ich fast zufrieden mit meinen Ausführungen]