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Es regiert das Gesetz der Subjektivität

Dies wollte ich lange nicht wahrhaben, denn in meinem Metier gab es immer nur eine Meinung: meine. Wenn es um Musik geht, können noch so viele objektive Argumente hervorgebracht werden - letztlich wird das gehört, was gefällt. Diese simple Wahrheit zu akzeptieren, war für mich nicht einfach, weil ich mich - solange ich denken kann - immer intensiv mit Musik beschäftigt habe. Sei es nur durch das Hören oder durch das Erlernen von Instrumenten. Ich nehme Musik daher anders als andere wahr, allerdings zeigt es sich, dass auch diese Sichtweise eine höchst subjektive ist. Es scheint, ein auswegloses Dilemma, um seine Ansprüche zu verdeutlichen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass vieles "in" ist, was von der Plattenindustrie in den Markt gedrückt wird und sich daher den normalen Gesetzen von Märkten entzieht ...

Wir köcheln uns etwas Musik

In diesem Dilemma behelfe ich mir häufig mit einem Vergleich. Musik kann mit Bereichen eines Restaurants verglichen werden. Ein Musiker wäre demnach mit einem Koch gleichzusetzen, ein Hörer dem Restaurantbesucher usw. . Jeder von uns hat bestimmt schon einmal ein schlechtes Restaurant erwischt und wird dieses wohl nicht mehr aufsuchen. Die Güte des Essens hängt z.B. von der frische der Zutaten, insgesamt ihrer Qualität und den Künsten des Koches ab. Ich maße mir in diesem Bereich keineswegs an, große Ahnung zu besitzen, jedoch unterscheiden meine Geschmacksnerven inzwischen, ob eine Sauce gelungen gewürzt ist, der Wein zum Essen passt, das Fleisch ein zartes Stück ist usw. . Ich glaube, ich brauche meinen Gedanken nicht weiter ausführen. Hochwertiges Essen zu erkennen ist nicht einfach (teuer bedeutet nicht automatisch, dass es gemessen an diesem "gut" ist) und bedarf des Trainings. Und genauso verhält es sich im übertragenen Sinn mit der Musik.

MischerIm Musikgenuß bin ich ein absoluter Gourmet und habe meine Lieblingsrichtungen gefunden - alle mehr oder weniger abseits des Mainstreams, der - um im Bilde zu bleiben - eher dem Fastfood oder einem schlechten Koch entspricht. Ab und zu verfalle auch ich dem Fastfood, aber täglicher Genuß ist überhaupt nichts für mich, aber warum sollte ich denn auch ? Ich will darauf hinaus, dass Menschen, die sich intensiv mit Musik beschäftigen eine andere Wahrnehmung zur Musik besitzen als Personen, denen Musik nicht so wichtig ist. Aus ersterem Personenkreis ergibt sich berechtigterweise der Standpunkt, dass "gute" Musik an Hand von einigen, objektiven Kriterien neben Subjektiven definiert werden kann. Hierauf möchte ich mich nicht einlassen, weil es ein äußerst weites und gefährliches Feld ist. Vielmehr möchte ich bei beiden Seiten für mehr Verständnis und Toleranz werben:

Entschiedene Fastfood Verfechter sollten verstehen, dass es Menschen gibt, deren Hemmschwelle sich z.B. eine CD von Daniel Küblböck anzuhören, zu kaufen oder dazu zu tanzen, mehr als unendlich hoch ist. Es gibt nun einmal Musik, die mich emotional nicht anspricht, aus meiner Sicht langweilig ist und für mich keine Daseinsberechtigung besitzt. Allerdings stünde Gourmets wie ich es auch einer bin, mehr Toleranz recht gut zu Gesichte, weil sie einen enormen Wissensvorteil besitzen und sie sollten akzeptieren, dass sich ein Großteil der Bevölkerung nicht so wie sie für Musik interessiert, in die Zeit zu investieren ist, damit sie ihre volle Blüte entfalten kann. Nun könnte man meinen, diese Differenzen seien einfach zu lösen: der Fastfoodliebhaber geht weiterhin nur in Fastfoodtempel und der Gourmet widmet sich den teuren und ausgiebigen Schlemmereien. Tja, wenn es nur so einfach wäre, denn die Gourmetrestaurants und -köche nehmen immer weiter ab, während das Fastfood alles zu erdrücken droht !

So ist es mir ein wichtiges Anliegen, auf meiner Seite für - wie in so vielen Lebensbereichen - mehr Qualität als Quantität zu werben und musikalischen Fastfoodanhängern einen möglichen Weg zum Gourmet weisen ... Unter dem Punkt Misere der Musikindustrie werde ich einige Aspekte und Gedanken bündeln, die sich in den letzten Jahren aus vielen Diskussionen mit Freunden, aus meinen eigenen vergeblichen Versuchen ein Gourmetkoch zu werden, der Presse sowie aus diversen Musikforen, ergeben haben.

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